Wie ich zu einem Ehrenamt kam

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Die Krabbelgruppe, in die meine Frau und meine damals noch meine ganz kleine Tochter gingen, traf sich einmal die Woche im Gemeindesaal, der Teil der Kirche in unserem Stadtteil ist. Das Gebäude stammt aus den späten 1950er Jahren, als unsere Nachbarschaft Haus für Haus entstand. Nun, die Kirche war damals also schon fast 50 Jahre alt und das Kupfer vom überdachten Eingang schadhaft und auszuwechseln. Aus diesem Grund erreichte uns ein Schreiben vom Förderverein der Kirche mit der Bitte um Spende fürs neue Dächle – oder noch besser: um Mitgliedschaft in eben diesem Kreis von Förderern. Der Jahresbeitrag ist überschaubar. Wir entschlossen uns für Letzteres und sind also seit zirka 2004 Mitglied.

Als Mitglied erhält man jährlich eine Einladung zur Mitgliederversammlung, die ich stets geflissentlich ignorierte. Ich beließ es bei der Zustimmung zum Abbuchen des Jahresbeitrags.

Meine Tochter kam in den Kindergarten und meine Frau übernahm die Verwaltung der Essenskasse. Die Vorgängerin war froh, diesen Job los zu sein, weil es wegen säumiger Zahlern doch immer wieder zu Unterdeckungen gekommen sei, die sie mit privatem Geld kompensieren musste. Meine Frau organisierte sich mithilfe von Excel und Inkasso qua Direktansprache der Eltern – und erwirtschaftete zum Beginn der Sommerferien ein Kassenplus, das die Finanzierung eines gewaltiges Sommerfests für alle Kinder, Geschwister und Eltern (inkl. Grillgut, alkoholfreien und -haltigen Getränke, Süßwaren et al.) locker ermöglichte.

Von diesem betriebswirtschaftlichen Erfolg getrieben, wollte sie eine vergleichbare Position z. B. in einem Verein anstreben. Just zu diesem Zeitpunkt kam die alljährliche Einladung zur Mitgliederversammlung vom Kirchenförderverein und auf der Agenda: Neuwahl von Vorstand … und Rechner!

Leider war genau an diesem Abend meiner Frau der Besuch der Mitgliederversammlung nicht möglich, weshalb sie – ersatzweise – mich hinschickte.

Die Versammlung beginnt um 19.30 Uhr. Ich komme um 19.35 Uhr an, klopfe an die Tür vom Gemeindesaal an, trete ein: An einem runden Tisch sitzen die drei Vorstandsmitglieder und vier oder fünf andere Mitglieder. Alle freuen sich sehr über mein Erscheinen. Ich drücke den Altersschnitt um gut 20 Jahre. Ich ahne, was mir blüht.

Top 1: Die Pfarrerin begrüßt. Top 2: Auf das Vorlesen des Protokolls vom Vorjahr wird verzichtet. Top 3: Wahlen. Den Vorsitz hat die Pfarrerin qua Amt. „Herr xy, würden Sie weiterhin den 2. Vorsitzenden machen?“ – „Ja, gerne“. Herr xy wird einstimmig gewählt. „Frau yz, würden Sie weiterhin die Rechnerin machen?“ – „Ja, schon, aber ich mach das jetzt seit 12 Jahren und wäre froh, ich könnte es abgeben – zum Beispiel an den jungen Herrn?“ – „Herr Mathauer, wären Sie bereit, die Aufgaben des Rechners zu übernehmen?“ … Einstimmig gewählt.

 

Seit sechs Jahren bin ich jetzt also der Rechner vom Förderverein unserer Kirche. Der hat zwar nur ein paar Dutzend Mitglieder, der Job macht trotzdem einige Mühe. Meine erste Aufgabe war, das Einziehen der Beiträge auf SEPA umzustellen (dazu braucht‘s u.a. eine bestimmte Nummer von der Deutschen Bundesbank, wie ich jetzt weiß). Ich ziehe jährlich die Beiträge per Onlinebanking ein, beantrage alle drei Jahre beim Finanzamt die Gemeinnützigkeit neu, streiche die verstorbenen Mitglieder aus der Liste, werbe ab und an befreundete Nachbarn als Neumitglieder an und darf über die Verwendung unseres Vermögens mitentscheiden.

Dass ein Übertragen der Aufgaben auf meine Frau oder ein Jobsharing kompliziert sein würde, das war mir leider auch schnell klar.

Konkrete Vorbereitungen

Habe mir das “Welpenbuch” gekauft. Das Lesen dieses Werks erinnert mich an einen Geburtsvorbereitungskurs. (Meine Gattin wollte damals partout nicht an jenem teilnehmen und allein hätte ich es doof gefunden hinzugehen.) Ich lese, wie man das Tier stubenrein macht und wie der Befehl “Platz!” am besten gelehrt werden kann. Wir müssen die Treppen irgendwie absichern, damit der Welpe und später der Junghund nicht zwischen den Stufen eine Etage nach unten gelangt. Tierarzt suchen: check! Hundeschule suchen: check! Nächstgelegene Fressnapf-Filale identifizieren: check!

Welpen brauchen Rund-um-die-Uhr-Betreuung. So, damit ist auch klar, wer das Tier die ersten Wochen mit zu sich ins Büro nimmt … Mal schauen, was unser bisheriger Agenturhund Olivia dazu meint.

Der Kaufvertrag

Mopswelpen anschauen: ja. Hals über Kopf einen kaufen: nein. So meine Ansage, als wir die Züchterin zum ersten Mal besuchen wollten. In einem – sehr sauberen – Wohnzimmer lagen Mopsmutter mit sechs saugenden Welpen, zwei große weiße und drei beige Mopsdamen spazierten durchs Zimmer und waren über unseren Besuch hell erfreut. Wir reden mit Züchterin und ihrem Ehemann, sie reicht mir einen Vertragsentwurf, mal zum Durchlesen. Ich starte die Lektüre, eine Mopsdame nimmt neben mir auf dem Sofa Platz, schaut mich an, ich schaue sie an. Sie schaut den Vertrag an, ich lese den Vertrag. Sie schaut mich an, ich schaue Sie an, sie liest den Vertrag, ich schaue den Vertrag an, wir schauen uns in die Augen. Sie signalisiert mir, dass der Vertrag in Ordnung sei. Sie liest noch einmal geschwind drüber, ich auch. Sie schaut mich final an, ich unterschreibe den Vertrag.

Die Mopsdame war darauf dressiert, denke ich später. Ja: sie war ganz bestimmt dressiert!

Musthave oder selektive Wahrnehmung?

Treffe mich in größerer Herrenrunde, einige mit ihren Damen, fünf von zwanzig zusätzlich oder alternativ mit ihrem Hund. Im Gespräch erfahre ich von fünf weiteren Herren, dass sie “natürlich” und “schon seit vielen Jahren” auch einen Vierbeiner zu Hause haben.

Wir besuchen eine befreundete Familie, der ich nie einen Hund zugetraut hätte. Kaum da, kommt die Tochter mit einem Komforländerwelpen auf dem Arm ins Zimmer. 

Gut die Hälfte der Werbe- oder PR-Agenturen, die ich in einer nicht repräsentativen Stichprobe im Web angeschaut habe, rühmt sich in der Rubrik “Unser Team”, dass auch ein Agenturkunden Bestandteil desselbigen sei.

Habe ich einen Trend verpasst oder nur nicht wahrgenommen?

Vor elf Jahren war’s gleich

2003 kam im August unsere Tochter auf die Welt. Ich erinnere mich noch gut, wie wir, meine schwangere Gattin und ich, in jenem heißen Sommer ins Openairkino gingen, uns zum Abendessen verabredeten, Partys besuchten et al., immer mit dem Gedanken: Wenn in ein paar Tagen das Butzele da ist, dann geht das alles so nicht mehr.

2014 im August habe ich ein ähnliches Gefühl. Wir haben soeben ein Wochenende am Bodensee verbracht, Wanderung durch die Marienschlucht, Motorboot fahren und mit Freunden nett essen inklusive. War es das letzte Mal, dass wir so etwas machen konnten? Ein kurzbeiniger Hund kann wohl kaum über rutschige Bretter eine Schlucht durchqueren. Ob er auf ein Boot darf? Was tun, wenn das Tier im Restaurant sich löst oder abstuhlt?

War ein schöner Sommer, vielleicht der letzte seiner Art!

Stimmt schon: An unsere Tochter haben wir uns damals auch schnell gewöhnt. Könnte bei dem Hund ähnlich werden.

Darf ich Dir mal ein Bild von unserem Hund zeigen?

Hundeexperten – und seit Kurzem auch ich – wissen, dass Welpen acht Wochen lang bei ihrer Mutter und mit ihren Geschwistern verbringen müssen. Erst dann dürfen Sie zu ihrem neuen Frauchen oder Herrchen. Wir haben den Hund beim Züchter in Karlsbad gekauft, nicht ganz im die Ecke.  Wir haben, da wir bereits 50 Prozent anbezahlt haben, jederzeit Besuchsrecht, von dem wir entfernungsbedingt nicht Gebrauch machen können. Ist auch nicht schlimm, finde ich, denn das Tier ist ja die nächsten zehn bis zwölf Jahren ohnehin 24/7 um uns herum; da kommt es jetzt auf die paar Tage auch nicht an. Zudem: Züchter hat eine Facebookgruppe und eine WhatsApp-Gruppe, im denen reichlich Bilder von den Welpen gepostet (finde ich gut) und ausgiebig kommentiert (finde ich nicht gut) werden. Die Menge der WhatsApp-Kommentare zahlreicher Frauchen – tatsächlich engagieren sich Herrchen auf diesen Plattformen kaum – und insbesondere ab 17 Uhr, hat dazu geführt, dass ich mein Handtelefon auf Stumm geschaltet habe. Das Vibrieren bei jedem neuen Kommentar (“Ooh, wie süß ❤️❤️❤️!”) geht während der Arbeit gar nicht.

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Aber gut: Ich habe einige der Schnappschüsse von unserem kleinen Hund gespeichert und zeige sie auf Verlangen oder auch nur mal so gerne vor. Wie süß die Kleine doch ist. Ich beginne langsam, eine Fernbeziehung zu ihr aufzubauen.

 

Wie heißt ein Hund?

Ein Papagei heißt Lora. Ein Dackel heißt Waldi. Ein Schäferhund heißt Rex. Ein Kind heißt Kevin oder Vanessa.

Ein Mops braucht einen kurzen, zweisilbigen Namen, der zum Charakter des Hundes passt. Mein Favorit war “Gerda”, der Rest der Familie bevorzugte “Lola”. Der Originalname des Hundes lautet “Gina”, da G-Wurf (jemand da, der nicht weiß, was ein G-Wurf ist?). Wir einigen uns auf “Lotta”. Ich erkenne “Gerda” und “Lola” darin. Alle sind happy! Lotta hoffentlich auch.

PS. “Lotta” ist nur der Rufname des Hundes. Eigentlich heißt er “Karlotta”, was meines Erachtens besser zu einem Mops passt.

 

Dann halt einen Mops.

A) Ich kenne sie wirklich alle. Ich habe sie selbst ungezählte Male vorgetragen: die Gründe, die gegen einen Hund sprechen. Ich bin geübt, denn die Diskussion, ob Hund oder nicht, fand über viele Jahre praktisch täglich statt. Wobei: Diese Diskussion führte eigentlich nur ich; Gattin und Tochter diskutierten schon über Rassen und Namen.

B) Ich wehre mich vehement dagegen, dass “Papa den Hund ja mit ins Büro nehmen könnte”. Ich habe nun mal keinen Nine-to-Five-Job, bei dem ich den ganzen Tag an und ein Köter unter dem Schreibtisch sitzt. Gattin arbeitet halbtags, Kind geht in die Schule – also keine Kindsmagd für den Hund verfügbar.

C) Möpse finde ich ganz witzige Hunde. Man kennt sie von Wilhelm Busch (“… der Mops ist alter Damen Freude.”), von Loriot sowieso, dann den von Winnenden, auf dem Stuttgarter Eugensplatz steht einer aus Bronze als Säulenheiliger. Meine Worte waren immer: “ich will keinen Hund und wenn, dann einen Mops.”

D) Ich mach es kurz: in den ersten Septembertagen bekommt unsere Familie Zuwachs: einen Mops.

Mops - Indy B